KI, die Maschine, die nicht müde wird

Wenn Produktivität steigt und Wohlstand sinkt ist das kein Sachzwang. Es ist eine Entscheidung.

Wenn eine Maschine unsere Arbeit erledigt. Hören wir dann auf, Menschen zu sein, die ein gutes Leben verdienen?

Ein gutes Leben setzt voraus, dass die materiellen Grundlagen gesichert sind: Wohnen, Ernährung, Gesundheit, Bildung. Es setzt weiter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben voraus – nicht als Bittsteller, sondern als Gleicher unter Gleichen –, Raum, sich zu entfalten und zu entwickeln und Mittel für spontane Aktivitäten, schlicht: Wohlstand.

Voraussetzung dafür ist Arbeit, die lohnt. Wer lohnende Arbeit verrichtet, verdient. Wer verdient, kann wohnen, essen, teilhaben, sich entfalten und entwickeln. Aber wie wollen wir weiter gut leben, wenn es sich für uns nicht mehr lohnt zu arbeiten, weil Maschinen unsere Arbeit besser und schneller erledigen? Arbeit muss sich lohnen. Lohnt sie sich nicht, ergibt es keinen Sinn, sie zu verrichten.

Aber hören wir dann auf, Menschen zu sein, die ein gutes Leben verdienen? 

Natürlich nicht. Aber bisher gilt: Wer arbeitet, darf Ansprüche stellen; wer nicht arbeitet, nicht. Diese Annahme trägt aber nur, solange lohnende Arbeit für alle verfügbar ist. Steht nicht mehr für alle lohnende Arbeit zur Verfügung, muss eine andere Frage gestellt werden.

Muss Arbeit der einzige legitime Weg zu Wohlstand bleiben?

Entschieden ist diese Frage schon. Wir hören, die Lebensarbeitszeit müsse verlängert werden und wir könnten uns unseren Sozialstaat nicht mehr leisten. Also soll alles so bleiben, wie es ist. Aber wer hat den Mut, zu fragen, ob Arbeit der einzige legitime Weg zu Wohlstand bleiben soll?

Die Antworten klingen nach Sachzwang. Die Frage entlarvt sie als politische Entscheidung: die Entscheidung, nicht danach zu fragen, wie die Steigerung unserer Produktivität durch KI unseren Wohlstand steigern kann – obwohl wir dafür weniger arbeiten müssten.

Konkret stellen sich zwei Fragen, die dringend beantwortet werden müssen:

  1. Wie können wir verhindern, dass trotz enormer Steigerung unserer Produktivität unsere Sozialversicherungsbeiträge sinken?
  2. Wie können wir verhindern, dass trotz enormer Steigerung unserer Produktivität sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet?

Eine Erkenntnis sollte unsere Suche nach Antworten leiten: Sicher nicht, indem wir Arbeit verrichten, die nicht mehr lohnt.




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